JOCHEN BIGANZOLI / REGISSEUR

LADY MACBETH VON MZENSK von Dmitri Schostakowitsch

THEATER LÜBECK


Musikalische Leitung: Andreas Wolf

Bühne: Wolf Gutjahr

Kostüme: Katherina Weissenborn

Video: Thomas Lippick

Dramaturgie: Francis Hüsers


Jochen Biganzoli wurde für seine Inszenierung von Dmitri Schostakowitschs „Lady Macbeth von Mzensk“ am Theater Lübeck für den deutschen Theaterpreis DER FAUST 2016 in der Kategorie ,Regie Musiktheater‘ nominiert.


Jury-Begründung

Der in Kaiserslautern geborene und in Bremen lebende Jochen Biganzoli hat sich deutschlandweit einen hervorragenden Ruf als Opernregisseur erarbeitet. In seiner Inszenierung von „Lady Macbeth von Mzensk“ gelingt es ihm, Schostakowitsch in grellen und assoziativen Bildern zu aktualisieren und der Musik zu größtmöglicher Wirkung zu verhelfen. Er inszeniert gerade dadurch sehr musikalisch, dass er die Musik immer wieder überraschend neu interpretiert. Zudem eröffnen die Ergänzungen mit Kammermusik des Komponisten dem Werk neue Räume. Biganzoli gelingt es, die Tragik der Entstehungszeit mit einem gegenwartsbezogenen Kommentar zum Stück so auszubalancieren, dass weder die stück- noch die zeitbezogenen Aspekte beschädigt werden. Er inszeniert das Ringen der Menschen in und mit ihren privaten und gesellschaftlichen Problemen vor einer sich offenbar immer wiederholenden gesellschaftlichen Folie. Der Abend entlässt den Zuschauer im positiven Sinne mit vielen Fragen und dem Drang zum Nach- und Weiterdenken.



Hier gehts zum Videotrailer auf YouTube.


Musikjournal - Deutschlandfunk, 8. März 2016, Irene Constantin

Hier der Beitrag über die Premiere


(...) Das Stärkste in diesem sensationellen Regiegeniestück ist indes, wie Biganzoli mit Wolf Gutjahr (Bühne) und Katharina Weissenborn (Kostüme) die drei dramaturgischen Zeiten zusammenführt. Der um sein Leben fürchtende Komponist Schostakowitsch, der sich mit seiner Antiheldin Katerina eng identifizierte, spielt mit und repräsentiert im Sinne der Rezeptionsgeschichte die Entstehungszeit der Oper im mörderischen Umfeld des Josef Stalin. Mit den Videos projizierte authentische Gulagzeichnungen in Tusche spiegeln das die Epochen überdauernde Leid des russischen Volkes. Die Kostüme akzentuieren unsere Gegenwart. Musikalisch ganz auf Augenhöhe der grandiosen Inszenierung entwickelt Andreas Wolf am Pult von Lübecks Philharmonikern einen zumal in den schnellen kleinen Notenwerten fantastisch präzisen Schostakowitsch-Sog.

Peter Krause, DIE WELT, 8. März 2016

Die komplette Rezension finden Sie hier.


(...) Eine Opernproduktion von solcher Qualität hat man auch im Theater Lübeck, das in Sachen Musiktheater überregional einen guten Ruf hat, lange nicht mehr gesehen. Die Premiere von Dmitri Schostakowitschs „Lady Macbeth von Mzensk“ wurde am Freitag zu einem Triumph für Sänger, Musiker und das Regieteam um Jochen Biganzoli.  (...) Ganz große Oper war an diesem Abend zu erleben, bewegend und unter die Haut gehend. Einfach wunderbar.  (...)

Jürgen Feldhoff, LÜBECKER NACHRICHTEN, 6. März 2016


(...) Mit dem Kopf voller Bilder, mit dem Ohr voll praller Musik und mit dem Herzen mit einer Wehmut beim Gedanken an die Zerbrechlichkeit der Freiheit verlässt man das Lübecker Theater nach einem aufwühlenden, unterhaltsamen Opernabend.

Daniel Kaiser, NDR Kultur, 5. März 2016

Die komplette Rezension finden Sie hier.


(...) Ihm gelingt es nämlich, die Oper selbst mit der aufdämmernden Tragik der Entstehungszeit so mit einem Kommentar zum Stück auszubalancieren, dass damit weder die stück- noch die zeitbezogenen Ambitionen beschädigt werden. Also weder die Schapkas und Birkenwäldchen, noch die Brechtgardinen stauben. Und der Subtext der Epoche mitinszeniert wird. (...) Zu diesen beklemmend authentischen Blicken über den Zaun der roten Konzentrationslager wechselt die Szene von der Spiel- in eine Konzertsaal-Situation, setzt also nicht auf die Wirkung eines aufgeschminkten, sondern emotional erfassten Elends. Zusammen mit den ins Publikum gehaltenen und dann als Illustration auf das Wort Sünde gepinnten Fotos (von Opfern? Vermissten?) ein Lehrbeispiel für die oft angestrebte und selten erreichte Fallhöhe, die insgesamt durch das hinzugefügte Streichquartett verstärkt wird. (...) Dass die Melange aus deutlichen Zeichen (ein Stalinbild mit Trauerflor zur aufgebahrten Leiche des Schwiegervaters), der distanzierende Kommentar (durch die abgestellten Groß-Porträts des Komponisten in Zivil und als Feuerwehrmann oder im Livevideo vergrößerte Gesichter) und detailfreudiger Personenregie so fabelhaft funktioniert und die Spannung über den ganzen dreistündigen Abend hält, liegt natürlich auch an den Sängerdarstellern. (...)

Dr. Joachim Lange, NEUE MUSIKZEITUNG, 6. März 2016

Die komplette Rezension finden Sie hier.


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